Schäferhundkeratitis

Schäferhundkeratitis

Es kommt vor, dass im Leben eines Schäferhundes die "Schäferhundkeratitis" zum Vorschein kommt. Diese für den Hund leidige Entzündungskrankheit entsteht durch eine Entgleisung des Abwehrsystems und kann bis dato noch nicht ausgeheilt werden. Weitere Informationen findet Ihr auch in unserem Blogbeitrag: "Ein umfassender Leitfaden zu Pannus (Schäferhundkeratitis) bei Hunden"

Inhalt:

  1. Was ist Schäferhundkeratitis?
  2. Wie äußert sich die Schäferhundkeratitis?
  3. Wie entsteht die Schäferhundkeratitis?
  4. Was sind die Folgen der Schäferhundkeratitis?
  5. Wie behandelt der Tierarzt die Schäferhundkeratitis?
  6. Was kann der Hundebesitzer selbst tun?
  7. Aktiv vorbeugen mit einer Hundebrille

Was ist Schäferhundkeratitis?

Die Schäferhundkeratitis (Keratitis superficialis vasulosa pannosa pigmentosa chronica) ist eine chronische, oberflächliche Entzündung der Hornhaut und meist gleichzeitig auch der Bindehäute des Auges. Sie ist in der Tiermedizin nach ihrem Erstbeschreiber auch unter der Bezeichnung „Keratitis Überreiter“ bekannt.
Der Name Schäferhundkeratitis leitet sich von der Tatsache ab, dass diese Erkrankung vornehmlich beim Deutschen Schäferhund auftritt, und nur äußerst selten bei anderen Hunderassen (Collie, Pudel, Dackel, Greyhound, Mischling)  

"Ich habe einen belgischen Schäferhund. Er ist jetzt 7 Jahre alt. Vor etwa 8 Monate bemerkte ich eine Errötung seiner Augen jeweils im äußeren Winkel. Mittlerweile ist diese Errötung erheblich stärker, wobei Kapillaren ein sichtliches Netz bilden und die Sklerosis (?) im Bereich der Iris weiß herantritt"

Wie äußert sich die Schäferhundkeratitis?

Die Krankheit, die meist zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr des Hundes zum Ausbruch kommt, beginnt fast immer gleichzeitig im Bereich der äußeren Anteile der Hornhaut beider Augen. An der Grenze der weißen Augenhaut zur Hornhaut, die meist vermehrt pigmentiert ist, kommt es zum Einwachsen von gefäßhaltigem Granulations- und Bindegewebe in die oberen Schichten der Hornhaut, was in der Bildung eines undurchsichtigen, oberflächlich unebenen, kirschrot gefärbten Flecks sichtbar wird. Dieser Fleck ist meist von einem speckigen, grauweißen Saum begrenzt.
Im weiteren Verlauf der Erkrankung wandern von den Randbezirken her pigmentbildende Zellen in das veränderte Gebiet ein, was dem, sich in Richtung auf die Hornhautmitte zu ausdehnenden Fleck, nun ein mehr graurosa bis fleckig braunschwarz marmoriertes Aussehen verleiht.
Gleichzeitig besteht häufig eine entzündungsbedingte Rötung der Bindehäute.
Ohne Behandlung schreitet der genannte Entzündungsprozess sehr häufig weiter fort und erstreckt sich schließlich über die gesamte Hornhaut, was zur völligen Erblindung des Hundes führen kann.

Wie entsteht die Schäferhundkeratitis?

Nachdem früher als Ursache der Schäferhundkeratitis auch Infektionserreger diskutiert wurden, ist man heute, obwohl die genauen Ursachen der Erkrankung immer noch nicht im Detail bekannt sind, allgemein zu der Überzeugung gelangt, dass der Krankheit eine Entgleisung des Abwehrsystems zugrunde liegt, bei welcher der Organismus im Sinne einer Autoimmunerkrankung Antikörper oder zelltoxische Immunzellen gegen körpereigenes Gewebe bildet.
Am Ausbruch der Krankheit sind dann noch weitere, körpereigene ( =endogene ) und von außen auf ihn einwirkende ( =exogene ) Faktoren beteiligt.
Ein endogener Faktor scheint in diesem Zusammenhang eine rassebedingte erbliche Veranlagung des Deutschen Schäferhundes für diese Erkrankung zu sein, deren Erbgang bisher nicht bekannt ist.
Unter den exogenen Faktoren wird dem ultravioletten Strahlenanteil des Sonnenlichts eine herausragende Bedeutung als Auslöser der Schäferhundkeratitis zugesprochen, was den gehäuften Ausbruch der Erkrankung in den sonnenreichen Monaten erklärt.

Was sind die Folgen der Schäferhundkeratitis?

Wird der Hund nicht tierärztlich behandelt, so verläuft die Krankheit häufig schubweise progressiv, was aufgrund der oben beschriebenen Symptomatik im Endstadium der Erkrankung zur hornhautbedingten Erblindung des Tieres führen kann, da die Hornhaut durch die Pigmenteinlagerung ihre für den Sehvorgang erforderliche Transparenz verliert.
Da die Schäferhundkeratitis im Allgemeinen beiderseitig auftritt, ist dann früher oder später mit einem vollständigen Verlust des Sehvermögens zu rechnen.

Wie behandelt der Tierarzt die Schäferhundkeratitis?

Da eine Heilung der Krankheit im eigentlichen Sinne nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht möglich ist, kann das Ziel der Behandlung nur sein, akute Schübe so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bringen, weitere Krankheitsausbrüche zu verhindern, und so die beschriebenen Folgen der Erkrankung möglichst gering zu halten.
Weil der Schäferhundkeratitis, wie oben erwähnt eine „Fehlreaktion“ des Abwehrsystems des Körpers zugrunde liegt, kann diese durch örtliche Kortisongaben unterdrückt werden. Sie erfolgen im akuten Stadium der Erkrankung durch den Tierarzt mit Hilfe von Injektionen unter die Bindehaut des betroffenen Auges. Das Auge wird vor dieser Behandlung oberflächlich durch Einträufeln von Lokalanästhetikum gefühllos gemacht, so dass die Injektion für den Hund nicht mit Schmerzen verbunden ist. Zuhause führt der Besitzer des Tieres die Kortisontherapie in Form einer Salbenbehandlung fort, die anfangs mehrmals täglich erfolgen muss (4-5 mal), im weiteren Verlauf, in Abhängigkeit von den tierärztlichen Kontrolluntersuchungen, schrittweise reduziert wird, aber in niedriger Erhaltungsdosis während des gesamten Lebens des Hundes beibehalten werden muss (1 mal täglich).
In hoffnungslos verschleppten Fällen, oder in den Fällen, in denen die Krankheit medikamentell nicht beherrschbar ist und zur Erblindung des Tieres geführt hat, besteht noch die Möglichkeit durch eine Operation die betroffenen oberen Hornhautschichten chirurgisch zu entfernen. Da dieser relativ schwerwiegende Eingriff jedoch nicht beliebig oft wiederholt werden kann, die Erkrankung aber auch hierdurch nicht ursächlich geheilt wird, sollte diese Methode nur als letzte Möglichkeit für weit fortgeschrittene Fälle, reserviert bleiben.

Was kann der Hundebesitzer selbst tun?

Neben der konsequenten Durchführung der vom Tierarzt verordneten Langzeittherapie, der regelmäßigen Wiedervorstellung des Hundes zur Kontrolluntersuchung in der Klinik oder Praxis des behandelnden Tierarztes, der sofortigen (!) Konsultation des Tierarztes im Falle des erneuten Auftretens akuter Krankheitserscheinungen sollten alle Faktoren, die den Ausbruch der Krankheit verursachen vom Patienten ferngehalten werden.
Da dem kurzwelligen Strahlungsanteil des Sonnenlichts erwiesenermaßen eine große Rolle im Zusammenhang mit dem Auftreten akuter Krankheitsschübe zugemessen werden muss, sollte das Auge der betroffenen Hunde vor übermäßiger UV-Einstrahlung (heller Sonnenschein bei wolkenlosem Himmel, Sonnenschein bei schneebedeckter Landschaft v.a. in großen Höhen, Sonnenschein bei Aufenthalt an oder auf Gewässern) geschützt werden. Das heißt, dass die Hunde an Tagen an denen mit erhöhter UV-Strahlung zu rechnen ist, zu längeren Spaziergängen nur in den frühen Morgenstunden, am Abend oder im Wald mitgenommen werden sollten, und ansonsten tagsüber im Haus oder an Orten ohne direkte Sonneneinstrahlung, also im Schatten, gehalten werden sollten.
Lässt sich eine UV-Exposition des Hundes aus verschiedenen Gründen nicht vermeiden, so müssen die Augen des Tieres während des Aufenthalts in sonniger Umgebung geschützt werden. Dies kann entweder durch das Tragen einer speziellen Hundebrille für den Hund bewirkt werden, die von vielen Hunden nach kurzer Gewöhnungszeit problemlos toleriert wird, oder durch das Einträufeln einer vor UV-Strahlen schützenden Substanz in den Bindehautsack des Auges. Die Wirksamkeit der letztgenannten Maßnahme ist allerdings nur von relativ kurzer Dauer, so dass die Medikation in bestimmten Zeitabständen (ca. jede Stunde) wiederholt werden muss. Autor: Tierarzt Dr. Willy Neumann Veröffentlicht auf www.tiermedizin.com Vielen Dank an Dr. Neumann für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung

Aktiv vorbeugen mit einer Hundebrille

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